Samstag, 29. Oktober 2016

Eine Katastrophe kommt selten allein

Samstag 29. Oktober 2016

Heute Morgen sind wir (wiedereinmal) etwas zu spät aufgestanden. Wir sind ins gleiche Restaurant, wo wir gestern Abend gegessen haben, um dort zu Frühstücken. Wir bekamen eine Art Omelette, Butter, Gonfi, Honig, Brot, und Orangensaft. Wir essen und es ist meeega fein! Dann gehen wir wieder ins Apartement. Heute wollen wir mal zur Peugeotgarage, um uns um das Lämpli zu kümmern. Wir googlen die Adresse die mir Papi geschickt hat, Samstag/Sonntag: Geschlossen. NA TOLL!! Jetzt haben wir den Käse. Am Montag haben wir keine Zeit mehr, wir müssen's wohl in Essaoeira machen... Shit. Wir wollen trotzdem nach Agadir fahren, denn wir sollten mal wieder Geld abheben und ich habe mich noch nach Einkaufsstrassen und Einkaufszentren erkundigt und je eines herausgepickt (gab gar nicht mehr). Julien probiert mal noch sein Handy einzuschalten, ohne Erfolg. Ja das Ding ist wohl kaputt, vielleicht braucht's noch einen Tag Zeit. Ich packe mal meine Kreditkarte.... oh, wo ist sie? Ohjeohje! Wo habe ich die nur hin gelegt?? Panik macht sich breit! Ah! Gefunden! Brav habe ich sie ins andere Porte-monnaie getan. Huff! Julien sucht seine Travelcash-Karte. Ohje, die ist auch nicht mehr da, wo sie sein sollte. Ah er hat sie bestimmt nur verlegt. Wir suchen und suchen, ohne Erfolg... Ohje, jetzt wird's wirklich langsam heikel. Wir finden die Karte tastächlich nicht! Vielleicht im Auto? Wir schauen mal. Wir brechen auf und checken das Auto, nichts! SHIT! Das darf doch nicht wahr sein?? Wo ist diese verfluchte Karte?? Ach, sie wird irgendwo im Apartement sein, so gründlich haben wir ja noch gar nicht geschaut (hoffemer!). Wir fahren mal los, Julien ist schon ziemlich genervt, was ich verstehen kann. Handy Kaputt und jetzt ist auch noch seine Karte mit seinem Geld drauf weg! Nicht gerade prickelnd. Weil er so echli hässig ist, überschreitet er die Geschwindigkeitsangabe etwas (etwas zu viel). Einige 100m weiter, stehen Typen in weisser Uniform und winken uns rechts ran. AUCH DAS NOCH?! ERNSTHAFT?! Ich nehme die Papiere mal aus dem Handschuhfach. Wir waren zu schnell. "I ha mi Fahruswiis gar nid drbi..." ISCH DS DI ÄRNST?!?! DU BISCH SONE DEPP, I GLOUBES NID!! "i hane im angere Porte-Monnaie!" Ds darf doch nid wahr si!!!! Der Monsieur kommt ans Fenster und ich erkläre ihm verzweifelt, dass Julien seinen Ausweis zu Hause hat. "Il a de la vitesse!!" Er ist unfreundlich, mischt. Ich rede ganz betroffen mit ihm und er will 600 Dirham, als Busse. 600 Dirham!!!!! Haben wir überhaupt so viel dabei?? Er checkt die Papiere und wendet sich wieder an mich. Ob wir Turisten sind, jaja simer! Aber warum wir denn im Stress seien?! Wir haben doch Ferien! Jaa i weiss, Monsieur, es duet mr ungloublech fest leid. Wüsster, mir hei es Problem gha u er isch hässig xii u mir hei dr Uswis eifach deheime lah liege vor luter herjesses u wüuer isch hässig xii ischer haut z'schnäu gfahre. Wie lange wir schon hier sind? Chli meh aus e Wuche. Wie lange bleiben sie noch? Bis am 5.11. Nationalität? Schwiz, bravi Schwizer simer! Wo mir wohne in Marokko? In Taghazout. Ah dir sit surfer? Jaja! Aaständigi Surfer! Ob de IG dr Fahruswis heig? Ja scho, aber i bi no ni 21i, i darf nid fahre, i bi brav, i haute mi ad Regle. Er hat glaube ich ein wenig Mitleid mit uns, wir sind verunsichert. "Okay, vous payez 300 Dirham et après c'est ok"  boah! Echt?! "Mais il a le permis?" Oui oui! Je vous promets!! "Alors" Wir zahlen die Busse und können dann weiterfahren. ALTER SCHWEDE! Mann haben wir Glück!! Wir Schweizer sind eben Vertrauenswürdig! Ein Hoch auf unser Vaterland! Mann! Mir fällt ein Stein vom Herzen! Das hätte böse enden können! 
Wir fahren weiter, Richtung Einkaufsstrasse (dort wo auch die Garage gewesen wäre), aber hier ist irgendwie nichts. Ich habe noch ein Viertel herausgeschrieben, wo's Läden haben sollte. Wir fahren mal da in die Nähe und stellen das Auto ab. Zu Fuss gehen wir das mal auskundschaften. Scheint irgendwie nicht so viel los zu sein und OH MANN ist das heiss! Ich verschmachte fast in meinen langen Hosen! Es hat hier schon Läden, aber irgendwie ist's so ausgestorben... Ohje... Wegen der unerträglichen Hitze, entscheiden wir uns, ins Einkaufszentrum zu fahren, das ist sicher gekühlt! Wir trinken an der Strasse noch ein kaltes Cola und machen uns dann wieder auf den Weg zum Auto. Juliens Orientierung ist der Wahnsinn! Wir können durch 100 verwinkelte und verlassene Gässli laufen, er findet den Weg zurück IMMER ohne Problem. Ich möchte das auch! Ich bin beeindruckt! Wieder beim Auto, steuern wir das Einkaufszentrum "Uniprix" an. Wir fahren an der Strasse daran vorbei, das sieht aber aus, als wär's nur ein Teil davon. Etwas klein. Ehja, mir luege mau. Wir parkieren und checken das Ding mal ab. Wir sind etwas verwirrt... Das "Einkaufszentrum" ist eher ein Bazar/Laden. Es hat zwar alles mögliche, Kleider, Kosmetik, Kerzen, Figuren, Schmuck, Essen, Spirituosen usw, aber es ist einfach ein grosser unübersichtlicher Laden. Was für ein Reinfall. Wir merken immer mehr, dass Agadir nicht gerade unsere Lieblingsstadt ist. Alles ist so verstreut und kreuz und quer in dieser Stadt. Me do not like :( Wir beschliessen, den Heimweg anzutreten. Zuerst noch schnell in den Carrefour, weil wir gerne eine Pinzette hätten, gibts nicht. Nur in Kombi mit Nagelklipser, Schärli, Fiele und was weis ich. Ja de nähmemer haut das. "Ds isch sicher es riese Gschwür!" Jaaa und? I ha ke besseri Idee! "Viellech ire Apotheke" ja auso. Gleich gegenüber hat's eine. Wir gehen rein und stoglen da so chli drinnen umen. Was heisst Pinzette auf Franz? Pincette? Ke Ahnig! Julien fragt mal, aber sie kapieren nicht auf Anhieb, was wir meinen. "Un Test?" Nenei! Um himmels Willen sicher nid! Gott! "Pince? Ah non, nous n'avons pas" ah schad. Holi haut das Set. Ich stehe an der Kasse und eine Frau überholt mich, eh bitte? Sie mustert mein möchtegern Kosmetikset etwa 2 Minuten lang, ehm, chasch dr schüsch es eigets hole wed eis wosch, ds isch miis. Ich zahle und wir fahren nach Hause. Natürlich halten wir uns brav an die Geschwindigkeitsangabe!
Zurück im Apartement heisst es: Travel-Cash Karte suchen! Wir stellen die ganze Wohnung auf den Kopf, durchsuchen Rucksack, Tasche, Koffer, Kleider, Sofa, Balkon, Küche, Bad alles was möglich und auch nicht möglich ist. Diese doofe Karte ist einfach unauffindbar!! Das darf doch nicht wahr sein! Julien ist verzweifelt, er tut mir leid. Er googlet mal, wenn wirs bis heute Abend nicht gefunden haben, muss er die Karte sperren lassen. Wir beschliessen, später nochmal das ganze Auto unter die Lupe zu nehmen, vielleicht ist sie ja usengheit und unter einen Sitz gerutsch oder so.
Ich sollte noch einige Kleider von mir Waschen, wir haben am Anfang mal so Allzweckseife gekauft, die stinkt zwar, reinigt aber einigermassen, das muss reichen. Ich schrubbe und schrubbe, ja Mami, ich wasche von Hand. Bisch stouz uf mi? Wir haben seit dem Zmorgen nichts mehr gegessen. Das muss sich ändern, sonst klappe ich zusammen! Wir beschliessen, echli Brot einzukaufen (übrigens hat hier Brot, als einziges Produkt, eine fixen Wert und zwar 1 Dirham, damit es sich auch die Ärmsten leisten können, faszinierend, nicht?). Wir gehen mal zum Auto. Ich zünde die Taschenlampe an und zünte unter den Sitz, DA ISCH SIE! I gloubes nid! Mir hei se gfunge. HALLELUJAH! Das Glück ist doch ein bizzeli auf unserer Seite. Gutes und Schlechtes muss sich immer ausgleichen! Überglücklig, dass wir die Karte gefunden haben, gehen wir in den Laden, doch es hat nur noch hartes Brot... Wir müssen wohl oder übel, nochmal auswärts essen. Wir gehen zum Restaurant von heute morgen und schon quatscht uns so ein Typ an. "Where you from" Switzerland "Ah nice, i have good friends in Switzerland! Come sit with me and drink some coffee" äh... I wett eigentlech nid dr ganz Abe bi däm hocke. "We'll come back later" wir gehen ins Restaurant, wo wir das Erste mal waren "Le Spot". Ich bestelle wieder Pizza Margherita und Julien einen Chicken Ceasar Salad. Juliens Salat ist übersäht mit Käse, eigentlich wollte er ja mal was "Leichtes" zum Z'nacht essen! Nach dem Essen, gehen wir tatsächlich nochmal zu dem Dude. Er hockt da immernoch am gleichen Platz und schaut einen Film. Ich bestelle "Thé à la Menthe" und Julien ein Espresso und wir teilen uns noch ein Schoggimousse. Das ist schon eher ein Mousse, im gegensatz zu Marrakesch, aber die haben hier halt nicht so richtige Schwizer Schoggi. Ist trotzdem fein. Der Typ redet gar nicht mit uns, sondern ist mit seinem Film beschäftig. Mir hätte grad so guet hei chönne. Nach etwa 20min fängt er dann doch an, mit uns zu plaudern. Wir reden über alles Mögliche. Er war früher Schuhmacher, jetzt ist er "Voyageur", aha, arbeitslos? Er isch eifach "Voyageur" lassen wir das mal so stehen. Er erzählt und es ist spannend, ihm zuzuhören. Ein lustiger Typ. Dann sagt er plötzlich "the world changes. Because of the Ladies" häh wi meinter ds izze. "the first problem on earth, was the ladies" eh bitte? Er labert etwas von Adam und Eva und dass Eva Schuld daran ist, dass Adam den Öpfel gegessen hat. Blablabla sone Hafechäs! Man versteht nur die Hälfte, weil er Franz, Englisch und Deutsch mixt. Dann holt er den Wirt dazu und sagt ihm auch das mit der Frau im Paradies usw. Der Wirt ist aber nicht einverstanden und erzählt die Geschichte von Kain und Abel, die Söhne von Adam und Eva (kannte die Geschichte bis dahin nicht :'D). Sie diskutieren immerwieder auf Arabisch und es ist spannen, ihre beiden Ansichten zu erfahren. Lustige zwei Dudes diese beiden. Der Eine (nicht der Wirt) lädt uns sogar noch zu sich ein, rauchen. Uh nenei, mersi, mir müesse morn früeh uf. Mir wei uf Tamri ga surfe. Er fragt noch zwei dreimal, aber wir wollen wirklich nicht. Irgendwann verabschiedet er sich und geht. Wir zahlen und gehen auch. Zurück im Apartement entdecke ich eine Kakerlake in der Küche, ah maaaann!!! Gopf!!! Si krabbelt und krabbelt und Julien will mal wieder nicht helfen. Sie krabbelt in unser Schlafzimmer!! i bechume e Kriese!!! Nimm se use! I schlafe nid dert inne! Sie krabbelt unter den Koffer und ist spurlos verschwunden! Ach du Scheisse, i gheie ines Loch! Panik, Panik, Panik!!! Sie ist weg! Wo isch sie gopf! I cha nid schlafe weni weiss dass die no umekrabblet! Julien ist es schissengliich, er kritzelt lieber in seinem Skizzenheft. Chum cho z Bett abruume, viellech isch sie ufem Bett. Ich verstaue alle meine Kleider in der Tasche, alles zuemachen und auch den Koffer verschliessen. Sie ist wirklich weg. Ohje. Hoffentlich krabbelt sie in der Nacht nicht in mein Gesicht!!
Morgen wird's nochmal sonnig und der Surf soll auch gut sein. Hoffentlich mal wieder ein entspannender Strandtag ohne Katastrophen! Ist das wohl möglich? Wir werden seh'n, ihr werdet lesen.

Ich am Waschen, in der Duschi

Auch an unserem Strand gibt's Kamele

Das Wetter wird endlich echli besser

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